THE ART JOURNAL FOR CONTEMPORARY CULTURE, ART HISTORY, AND THOUGHT
Das Ende einer Ära für das Leipziger Kunsterbe
Zum Tod von Brigitte Tübke-Schellenberger
AKTUELL
9/3/20262 min read


Das Fundament eines Lebenswerks: Die Jugendstil-Fassade der Villa Tübke Stiftung Leipzig sicherte die verstorbene Brigitte Tübke-Schellenberger den geschlossenen Erhalt dieses historischen Wohn- und Ateliersitzes für die Öffentlichkeit. Foto: Master Uegly / Wikimedia Commons, bearbeitet von DOKUNST
Die Leipziger Kunstszene verliert eine ihrer prägendsten und diskretesten Bewahrerinnen der ostdeutschen Kunstgeschichte. Brigitte Tübke-Schellenberger, die Witwe des weltberühmten Malers und Mitbegründers der Leipziger Schule, Werner Tübke, ist im Alter von 95 Jahren in Leipzig verstorben.
Obwohl sie sich selbst im Schatten des monumentalen Schaffens ihres Mannes stets bescheiden als „Nebenperson“ bezeichnete, war ihre Rolle für das kulturelle Gedächtnis der Stadt und der gesamten Bundesrepublik von fundamentaler institutioneller Bedeutung. Als einstige Scheidungsanwältin brachte sie ab den 1976er-Jahren die notwendige administrative und juristische Struktur in das produktive, aber organisatorisch komplexe Leben des Malers. Tübke selbst brachte es einst prägnant auf den Punkt: „Ich bin die Produktion, meine Frau die Verwaltung.“
Ihr eigentliches, bleibendes Vermächtnis für die Kunstwelt begann jedoch nach dem Tod des Malers im Jahr 2004. Gegen den Trend der kommerziellen Zerschlagung großer Künstlernachlässe kämpfte Tübke-Schellenberger erfolgreich für den geschlossenen Erhalt seines Œuvres. Im Mai 2006 gründete sie die Tübke Stiftung Leipzig und stellte dafür aus dem familiären Erbe 19 Gemälde, 67 Zeichnungen, 16 Aquarelle sowie über 200 Einzelgrafiken zur Verfügung. Erst durch diesen Akt mäzenatischer Entschlossenheit wurde es möglich, das ehemalige Atelier in der Springerstraße als lebendigen Stiftungs- und Ausstellungsort für die Öffentlichkeit dauerhaft zu sichern und der kunsthistorischen Forschung zugänglich zu machen.
Mit dem Tod von Brigitte Tübke-Schellenberger schließt sich das letzte direkte biografische Kapitel der ersten Generation der Leipziger Schule. Ihr jahrzehntelanges Engagement im Hintergrund beweist, dass bedeutende Kunst nicht nur im Atelier entsteht, sondern auch durch strategische Weitsicht und institutionelle Beharrlichkeit geschützt werden muss. Für das sächsische Kulturleben hinterlässt sie ein stabiles Fundament: Die Gemälde und das Archiv ihres Mannes bleiben als unveräußerliches Erbe der Stadt Leipzig erhalten – ein Erfolg, der ohne die juristische und persönliche Hingabe dieser außergewöhnlichen Nachlassverwalterin undankbar geblieben wäre.
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