Gerhard Richter bekommt einen eigenen Pavillon in Doha

Mitten im MIA Park entsteht ein permanentes Bauwerk für Gerhard Richter. Der 94-jährige Künstler hat es gemeinsam mit der Architektin Annabelle Selldorf entwickelt – als Raum, Kunstwerk und überraschende Verbindung zwischen seinen „Strip Paintings“ und der geometrischen Tradition islamischer Kunst.

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9/12/20262 min read

Gerhard Richter erhält in Doha einen permanenten Pavillon, der ausschließlich seinem Werk gewidmet ist. Das von Qatar Museums initiierte Projekt wurde während der Berlin Art Week in der Neuen Nationalgalerie vorgestellt und soll am 20. November eröffnet werden. Der sechseckige Bau entsteht im MIA Park unmittelbar am Museum of Islamic Art und wurde von Richter gemeinsam mit der deutsch-amerikanischen Architektin Annabelle Selldorf entwickelt. Dabei handelt es sich nicht einfach um ein Gebäude, in dem Kunst ausgestellt wird: Richter versteht den Pavillon selbst als dreidimensionales Werk. Seine Außenflächen greifen die digital erzeugten Strukturen seines Künstlerbuchs Patterns von 2011 auf; im Inneren treffen drei großformatige Strip Paintings auf zwei Spiegelarbeiten und den zentral platzierten Strip Tower. Eine Steinskulptur mit dem Titel Brunnen ergänzt das Ensemble im Außenraum.

Die Idee reicht mehr als ein Jahrzehnt zurück. Während eines Aufenthalts in Doha 2013 erkannte Richter nach eigener Aussage eine Verbindung zwischen der Architektur und Geschichte der Stadt und jener Bildsprache, die er damals mit seinen Strip Paintings entwickelte. Deren Ausgangspunkt ist ein radikaler Prozess der Zerlegung: Ein abstraktes Gemälde wird digitalisiert, in immer feinere Streifen geteilt, gespiegelt und neu zusammengesetzt. Im Doha Pavilion verlässt dieses Prinzip nun endgültig die Fläche des Bildes. Wiederholung, Spiegelung und Symmetrie bestimmen die Architektur und erzeugen zugleich eine auffällige Nähe zu den geometrischen Ordnungen islamischer Kunst, in denen sich Muster potenziell ins Unendliche fortsetzen. Richter überträgt damit ein Verfahren seiner Malerei auf einen begehbaren Raum – und macht den Besucher selbst zum Bestandteil eines Bildes, das sich mit jeder Bewegung verändert.

Der Pavillon ist zugleich Teil einer weit größeren kulturellen Bewegung. Katar investiert seit Jahren massiv in Museen, öffentliche Kunst und internationale Kooperationen und baut Doha zu einem globalen Standort für moderne und zeitgenössische Kunst aus. Dass ausgerechnet Richter dort ein dauerhaftes, eigens für diesen Ort entwickeltes Werk erhält, besitzt deshalb auch institutionelles Gewicht. Die Eröffnung findet am Vorabend der ersten Rubaiya Qatar, der neuen internationalen Quadriennale für zeitgenössische Kunst des Landes, statt. Der Pavillon verbindet damit zwei Entwicklungen: die späte Erweiterung eines der einflussreichsten Werke der europäischen Gegenwartskunst und den Anspruch Dohas, selbst zu einem Ort zu werden, an dem Kunstgeschichte nicht nur gesammelt, sondern produziert wird.

DOKUNST Redaktion

Farbspiel des Richter-Fensters im Innenraum des Kölner Doms. Foto: Geolina163 / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons).

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