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Athen sagt Nein: Der Parthenon-Streit erreicht Frankfurt
Das Liebieghaus will den Ostgiebel des Parthenon erstmals vollständig rekonstruieren. Doch Griechenland verweigert neun Fragmente – weil in Frankfurt auch zwei Stücke aus dem British Museum gezeigt werden sollen.
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9/13/20261 min lesen


Eine Ausstellung in Frankfurt wird zum Schauplatz eines jahrzehntealten Kulturkonflikts. Für Bühne frei für Athena. Das Parthenon-Puzzle, die am 18. November im Liebieghaus eröffnet, hat ein Forschungsteam um Vinzenz Brinkmann nach jahrelanger Arbeit erstmals einen archäologisch fundierten Vorschlag zur vollständigen Rekonstruktion des Ostgiebels des Parthenon entwickelt. Die monumentale Komposition aus ursprünglich 39 Figuren zeigte die Geburt Athenas aus dem Haupt des Zeus; große Teile wurden bereits in der Spätantike zerstört, die erhaltenen Fragmente befinden sich heute in verschiedenen Sammlungen. Mithilfe von 3D-Scans, kunsthistorischen Vergleichen und bislang wenig beachteten römischen Sarkophagreliefs gelang es den Frankfurter Forschern, zahlreiche Fragmente neu zuzuordnen und die verlorene Figurenordnung zu rekonstruieren.
Doch ausgerechnet die geplante Zusammenführung der Originalfragmente hat nun einen politischen Konflikt ausgelöst. Das Liebieghaus hatte beim Akropolismuseum um die Leihgabe von neun Fragmenten gebeten. Der griechische Zentrale Archäologische Rat lehnte den Antrag einstimmig ab. Entscheidend war nach griechischen Medienberichten nicht die Beteiligung des British Museum an sich, sondern dass die griechischen Fragmente gemeinsam mit zwei Parthenon-Fragmenten aus London präsentiert worden wären, deren Rückgabe Griechenland seit Jahrzehnten fordert. Das British Museum hält an seiner Zusage fest und wird die beiden Stücke nach Frankfurt verleihen. Damit erreicht der Streit um die sogenannten Parthenon Marbles einen bemerkenswerten neuen Ort: Nicht London oder Athen, sondern eine archäologische Ausstellung in Frankfurt wird vorübergehend zur Bühne einer bis heute ungelösten Frage nach Eigentum, Herkunft und kultureller Zugehörigkeit.
Die Ausstellung findet trotzdem statt. Das Liebieghaus betont, dass die Absage aus Athen weder das wissenschaftliche Konzept noch die Bedeutung der neuen Forschungsergebnisse beeinträchtige. Gerade darin liegt jedoch die besondere Brisanz des Falls: Die Forschung versucht, ein vor Jahrhunderten auseinandergebrochenes Monument wenigstens wissenschaftlich wieder zusammenzuführen, während seine erhaltenen Originalteile institutionell und politisch getrennt bleiben. Frankfurt rekonstruiert damit erstmals den vollständigen Ostgiebel des Parthenon – und macht zugleich sichtbar, wie weit die Gegenwart noch davon entfernt ist, seine verstreute Geschichte wieder zusammenzubringen.
Studie der Skulpturen des Ostgiebels des Parthenon, Louis Dupré, 1827. Bild: Public Domain, via Wikimedia Commons.
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