Die Freiheit im Porträt – und die Last der Geschichte

George W. Bush wird am 9. März 2027 seinen dritten Band mit eigenen Gemälden veröffentlichen.

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9/18/20262 min lesen

DOKUNST

The Call of Freedom: Portraits of Political Prisoners and Dissidents versammelt 44 farbige Ölporträts von Menschen, die wegen ihrer ethnischen Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer politischen Überzeugungen oder ihres Glaubens verfolgt wurden. Zu den bislang genannten Porträtierten gehören Jina Mahsa Amini, deren Tod im Gewahrsam der iranischen Sittenpolizei die Protestbewegung „Frau, Leben, Freiheit“ auslöste, der nicaraguanische Bischof Rolando José Álvarez Lagos sowie die in China inhaftierte uigurische Ärztin Gulshan Abbas. Ergänzt werden die Bilder durch biografische Texte und ein Vorwort des ehemaligen sowjetischen Dissidenten Natan Sharansky. Crown, ein Imprint der Crown Publishing Group innerhalb von Penguin Random House, bringt das Buch als reguläre Hardcoverausgabe und als signierte Luxusausgabe heraus; gleichzeitig eröffnet im George W. Bush Presidential Museum in Dallas eine Ausstellung der Porträts. Ein Teil der Einnahmen soll Organisationen zugutekommen, die politische Dissidenten unterstützen, sowie der entsprechenden Arbeit des Bush Institute.

Bush begann nach seinem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt im Jahr 2009 zu malen, angeregt durch Winston Churchills Essay Painting as a Pastime. Was zunächst als private Beschäftigung und beinahe kuriose Episode einer ehemaligen politischen Existenz erschien, entwickelte sich allmählich zu einer eigenen Form nachträglicher Amtsführung. In Portraits of Courage porträtierte er Veteranen jener Kriege, die während seiner Präsidentschaft geführt worden waren; Out of Many, One widmete er Einwanderern in den Vereinigten Staaten. Nun richtet er den Blick auf politische Gefangene und Dissidenten, von denen er vielen bereits als Präsident oder später im Umfeld seines Instituts begegnete. Seine Malerei strebt dabei, soweit die bislang veröffentlichten Bilder erkennen lassen, weniger nach formaler Erneuerung als nach unmittelbarer Wiedererkennbarkeit. Die leuchtenden Farben, frontal erfassten Gesichter und bewusst sichtbare Handschrift sollen Nähe erzeugen. Ihre politische Funktion entsteht jedoch erst durch die Verbindung von Bild, Biografie, institutioneller Präsentation und der Autorität seines Namens.

Gerade diese Autorität macht The Call of Freedom zu einem ebenso bemerkenswerten wie widersprüchlichen Projekt. Bush erklärt, das Buch solle daran erinnern, dass Menschen, die in Freiheit leben, eine Verpflichtung gegenüber jenen besitzen, denen sie verwehrt wird. Doch die moralische Botschaft lässt sich nicht vollständig von der Geschichte ihres Absenders trennen: In seine Präsidentschaft fallen der Irakkrieg, die Misshandlungen im Gefängnis Abu Ghraib und das von der CIA betriebene Verhörprogramm, dessen Methoden vom US-Senat als brutal und wirkungslos dokumentiert wurden. Die Porträts widerlegen diese Vergangenheit nicht, und sie können sie auch nicht versöhnen. Dennoch wäre es zu einfach, das Projekt lediglich als nachträgliche Imagekorrektur abzutun. Bush nutzt die Malerei als Instrument politischer Erinnerung und macht Menschen sichtbar, deren Geschichten leicht aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden. Damit stellt das Buch eine unbequeme Frage, die weit über seine künstlerische Qualität hinausreicht: Kann ein Bild glaubwürdig für die Freiheit sprechen, wenn derjenige, der es malt, selbst Teil ihrer historischen Widersprüche ist?

The Call of Freedom: Portraits of Political Prisoners and Dissidents
Mit einem Vorwort von Natan Sharansky
Crown Publishing Group / Penguin Random House
Erscheinungstermin: 9. März 2027
Hardcover: 42 US-Dollar
Signierte Deluxe-Ausgabe: 250 US-Dollar
Begleitende Ausstellung ab 9. März 2027
George W. Bush Presidential Museum, Dallas, Texas

George W. Bush, 2003. Nach dem Ende seiner Präsidentschaft entwickelte Bush eine kontinuierliche malerische Praxis, die er heute mit politischen und gesellschaftlichen Themen verbindet. Foto: Eric Draper / The White House. Public Domain.

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