Ein Fenster für das Gedächtnis – und für den Kanon

Das Kunstmuseum Schloss Derneburg erhält im Herbst eine monumentale, dauerhaft installierte Glasarbeit von Markus Lüpertz.

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9/18/20262 min lesen

Schloss Derneburg aus südöstlicher Perspektive. In der historischen Eingangshalle des heutigen Kunstmuseums soll im Herbst 2026 das monumentale Glasfenster von Markus Lüpertz dauerhaft installiert werden. Foto: Carsten Steger / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

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Das fast vier Meter hohe, aus 25 handgefertigten und in traditioneller Bleiverglasung zusammengefügten Tafeln bestehende Fenster wurde für die historische Eingangshalle des Schlosses entworfen. Es ist Lüpertz’ erste museale Auftragsarbeit in Glas, nicht jedoch seine erste Auseinandersetzung mit diesem Medium: Seit rund drei Jahrzehnten gestaltet er Fenster für sakrale Räume, darunter St. Andreas in Köln, St. Martin in Koblenz, St. Elisabeth in Bamberg und die Marktkirche in Hannover. In Derneburg überträgt er diese Erfahrung nun auf einen Ort, dessen religiöse, politische und künstlerische Vergangenheit kaum voneinander zu trennen ist.

Im Zentrum der Komposition stehen Athena und Hephaistos mit den Werkzeugen künstlerischer Arbeit. Um sie gruppiert Lüpertz Motive aus Geschichte und Landschaft Derneburgs: Drei Karpfen verweisen auf die von Zisterziensermönchen angelegten Teiche und zugleich auf die christliche Trinität; Blumen erinnern an die einstigen Nelkenfelder, während Schloss, Mausoleum, Totenschädel, schwarzer Rabe und eine mittelalterliche Rüstung weitere Bedeutungsschichten eröffnen. Zugleich ist das Fenster eine Hommage an Georg Baselitz, der Schloss Derneburg über drei Jahrzehnte als Wohn- und Arbeitsort nutzte. Lüpertz war dort häufig zu Gast, verfügte zeitweise über ein eigenes Appartement und malte gemeinsam mit seinem Freund im Schloss. Aus einer persönlichen Erinnerung entsteht nun eine öffentlich zugängliche, institutionell verankerte Erzählung.

Gerade darin liegt auch die kunstmarktpolitische Bedeutung des Auftrags. Die Hall Art Foundation bewahrt nicht lediglich Werke jener deutschen Nachkriegsgeneration, zu der Baselitz und Lüpertz gehören; sie überführt persönliche Beziehungen, private Sammlungsschwerpunkte und kunsthistorische Entscheidungen in einen musealen Zusammenhang. Eine dauerhafte, ortsspezifische Installation besitzt dabei eine andere legitimierende Kraft als eine temporäre Ausstellung oder ein spektakuläres Auktionsergebnis: Sie bindet den Namen des Künstlers langfristig an einen kulturellen Ort und stärkt damit sein institutionelles Gewicht. Private Museen sind deshalb keineswegs neutrale Schaufenster des Marktes. Sie wirken daran mit, welche Künstler sichtbar bleiben, welche Erzählungen kunsthistorische Dauer erhalten – und welches kulturelle Kapital sich schließlich auch in ökonomischen Wert übersetzen kann.

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