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Fünf neue Stimmen für die Akademie der Künste
Thea Djordjadze, Alfredo Jaar, Annette Kelm, Sandra Vásquez de la Horra und Clemens von Wedemeyer sind neue Mitglieder der Sektion Bildende Kunst. Ihre Aufnahme ist mehr als eine Erweiterung der Mitgliederliste: Sie bringt fünf sehr unterschiedliche Positionen zusammen, an denen sich zentrale Fragen der Gegenwartskunst ablesen lassen.
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9/11/20262 min lesen


DOKUNST Redaktion
Die Akademie der Künste in Berlin hat fünf neue Mitglieder in ihre Sektion Bildende Kunst aufgenommen: Thea Djordjadze, Alfredo Jaar, Annette Kelm, Sandra Vásquez de la Horra und Clemens von Wedemeyer. Gewählt wurden sie bereits während der 66. Mitgliederversammlung Ende Mai; nachdem inzwischen alle die Wahl angenommen haben, gab die Akademie ihre Aufnahme nun offiziell bekannt. Bemerkenswert ist weniger die Zahl als die Konstellation. Mit Djordjadzes fragilen, raumbezogenen Skulpturen und Installationen, Kelms präziser Befragung fotografischer Bilder, Vásquez de la Horras Zeichnungen zwischen Körper, Sexualität, Spiritualität und gesellschaftlichem Tabu, Jaars politisch geprägter Auseinandersetzung mit der Ethik des Sichtbaren und von Wedemeyers kritischem Blick auf Geschichte, Medien und Technologie treffen fünf künstlerische Haltungen aufeinander, die kaum auf einen gemeinsamen Stil zu reduzieren sind.
Gerade darin liegt die Bedeutung dieser Wahl. Alfredo Jaar gehört seit Jahrzehnten zu den international einflussreichen Künstlern an der Schnittstelle von Kunst, Politik und medialer Repräsentation; 2025 erhielt er den Prix Pictet und war 2026 erneut auf der Biennale von Venedig vertreten. Thea Djordjadze, Teilnehmerin der dOCUMENTA (13) und mehrerer Venedig-Biennalen, wurde jüngst mit dem Rompreis der Villa Massimo 2026/27 ausgezeichnet. Sandra Vásquez de la Horra erhielt 2023 den Käthe-Kollwitz-Preis, Annette Kelm wird am 15. September mit dem Pauli-Preis 2026 geehrt, während Clemens von Wedemeyer als Professor für Expanded Cinema an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig seit Jahren untersucht, wie Bilder, Technologien und kollektive Erinnerung unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit formen.
Die Aufnahme in die Akademie ist dabei nicht bloß eine weitere Auszeichnung in fünf bereits etablierten Biografien. Seit ihrer Gründung 1696 versteht sich die Berliner Institution als Gemeinschaft von Künstlerinnen und Künstlern, in der nicht allein das Werk, sondern auch die Stimme ihrer Mitglieder Gewicht besitzt. Wer aufgenommen wird, gehört damit zu einem institutionellen Gedächtnis, das zugleich an den kulturellen Debatten der Gegenwart mitwirkt. Dass die Sektion Bildende Kunst nun Positionen aus Georgien, Chile und Deutschland ebenso zusammenführt wie einen in Lissabon arbeitenden Künstler mit chilenischen Wurzeln, ist deshalb auch ein Zeichen dafür, wie selbstverständlich zeitgenössische Kunst heute nationale Zuschreibungen überschreitet. Die Akademie erweitert mit diesen fünf Namen nicht einfach ihren Kreis – sie entscheidet mit darüber, welche künstlerischen Stimmen Teil ihres zukünftigen Gedächtnisses sein werden.
Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin. Foto: Yair Haklai / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons).
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