Lucien Smith ist mit 37 Jahren gestorben

Star des New Yorker Kunstbetriebs.

AKTUELL

9/9/20262 min lesen

Lucien Smith, eine der auffälligsten Figuren der jungen New Yorker Kunstszene der frühen 2010er-Jahre, ist im Alter von 37 Jahren gestorben. Der 1989 in Los Angeles geborene Künstler studierte an der Cooper Union in New York und erregte bereits mit seiner Abschlussausstellung Imagined Nostalgia 2011 Aufmerksamkeit. Berühmt wurde er kurz darauf mit seinen Rain Paintings: großformatigen abstrakten Leinwänden, auf die er verdünnte Farbe mithilfe umfunktionierter Feuerlöscher sprühte. Die Arbeiten machten Smith beinahe über Nacht zu einem begehrten Namen des Kunstmarkts; seine Bilder erzielten innerhalb weniger Jahre sechsstellige Auktionspreise, und 2013 sowie 2014 nahm ihn Forbes in seine „30 Under 30“-Liste auf. Zugleich wurde sein Name eng mit dem Begriff „Zombie Formalism“ verbunden, mit dem Kritiker eine Generation junger abstrakter Maler beschrieben, deren Werke in einem zunehmend spekulativen Markt mit bemerkenswerter Geschwindigkeit gekauft und weiterverkauft wurden. Smiths früher Erfolg wurde damit nicht nur zu einer Auszeichnung, sondern auch zu einer Last, gegen die er sich später immer wieder positionierte.

Mitte des Jahrzehnts zog sich Smith aus dem kommerziellen Galeriesystem zurück und verlagerte einen Teil seiner Energie auf gemeinschaftliche Projekte. Mit der 2017 gegründeten Non-Profit-Plattform Serving the People wollte er insbesondere jüngeren Künstlerinnen und Künstlern Zugänge ermöglichen, die er im etablierten Kunstbetrieb selbst als problematisch erfahren hatte. Dennoch verschwand die Malerei nie aus seinem Werk. 2026 zeichnete sich vielmehr eine bemerkenswerte Rückkehr ab: Im Juni zeigte er in London die Ausstellung Burn Down the House, und erst im August kehrte er in Montauk zu jenem Verfahren zurück, das ihn einst berühmt gemacht hatte. Auf einem verlassenen Baseballfeld in Camp Hero entstanden vier neue Rain Paintings für die Ausstellung Delay of Game. Smith sprach dabei offen darüber, dass er Markt und äußerer Kritik zu viel Einfluss auf seine künstlerische Praxis eingeräumt habe. Die Rückkehr zu den Rain Paintings wirkte deshalb weniger wie eine nostalgische Wiederholung als wie der Versuch, sich eine künstlerische Sprache zurückzuholen, deren öffentliche Bedeutung ihm schon sehr früh aus den Händen geglitten war.

Smith starb am 7. September 2026 in New York; eine Todesursache wurde bislang nicht öffentlich bekannt gegeben. Sein Tod trifft die Kunstwelt in einem Moment, in dem seine Laufbahn gerade eine neue Richtung zu nehmen schien. Das macht diesen Verlust besonders schwer einzuordnen. Lucien Smith hinterlässt kein abgeschlossenes Werk, auf das sich bereits mit der beruhigenden Distanz einer Retrospektive zurückblicken ließe. Er gehörte vielmehr zu einer Generation, an der sich exemplarisch beobachten ließ, was geschieht, wenn Marktwert, mediale Aufmerksamkeit und künstlerische Entwicklung in sehr jungen Jahren mit unterschiedlicher Geschwindigkeit aufeinanderprallen. Dass er zuletzt ausgerechnet zu den Rain Paintings zurückkehrte, die ihn berühmt gemacht und zugleich auf eine bestimmte Vorstellung seiner Kunst festgelegt hatten, hätte der Beginn einer zweiten Auseinandersetzung mit dem eigenen Werk werden können. Dazu wird es nun nicht mehr kommen. Mit Lucien Smith verliert die zeitgenössische Kunst deshalb nicht nur einen Künstler, der sehr früh bekannt wurde, sondern einen, bei dem noch offen war, was aus dieser frühen Berühmtheit künstlerisch einmal werden würde.

Lucien Smith, 2024. Foto: Laszlo212, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons. Der amerikanische Künstler wurde mit seinen „Rain Paintings“ früh zum Star des New Yorker Kunstbetriebs. Zuletzt hatte er begonnen, sich jenes Werk zurückzuerobern, das der Markt einst schneller vereinnahmte, als seine künstlerische Entwicklung ihm folgen konnte.

DOKUNST / Redaktion

© 2024 All rights reserved.

Contact:

info@dokunstmag.de

Impressum

Angaben gemäß § 5 TMG:

Esteban Velazquez v. Wilhelm

Badergraben 16 04808 Wurzen

Kontakt:

Verantwortlich für den Inhalt nach § 18 Abs.2 MstV:

+49 15776999372

Esteban Velazquez v. Wilhelm

info@dokunstmag.de

www.dokunstmag.de

Badergraben 16 04808 Wurzen