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Sorollas Haus wird größer – und selbst zum Ausstellungsgegenstand
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DOKUNST
10/12/20262 min lesen


Joaquín Sorolla, Selbstbildnis. Reproduktion: Google Art Project / Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Das Museo Sorolla in Madrid öffnet am 15. Oktober seinen Erweiterungsbau. Das historische Wohnhaus mit dem Atelier des Malers bleibt wegen der laufenden Sanierung vorerst geschlossen. Diese Unterscheidung ist wesentlich: Zugänglich wird zunächst ein neuer Teil des Museums, nicht jener Ort, an dem sich Sorollas Malerei, sein Familienleben und seine Vorstellung vom Wohnen unmittelbar begegnen. Der von Nieto Sobejano Arquitectos entworfene Bau im Nachbargebäude erhält einen eigenen Eingang an der Calle Zurbano und bietet Räume für Wechselausstellungen, ein Auditorium sowie zusätzliche Bereiche für die Betreuung und Aufbewahrung der Sammlung. Die Erweiterung schafft damit Voraussetzungen für eine Museumsarbeit, die ein Künstlerhaus allein nur begrenzt leisten kann.
Bemerkenswert ist die Wahl der ersten Ausstellung. „Tras la casa del artista. Arquitecturas del Museo Sorolla (1905–2026)“, kuratiert von Covadonga Blasco Veganzones und gemeinsam mit der Fundación Museo Sorolla organisiert, untersucht bis zum 10. Januar 2027 die baulichen Veränderungen des Hauses. Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien, Pläne, Briefe und Archivmaterial erschließen seine Geschichte. Ausgangspunkt ist die Öffnung eines großen Atelierfensters zu Lebzeiten des Malers, das später wieder verschlossen wurde. Gerade an einer solchen Veränderung lässt sich begreifen, dass das Licht bei Sorolla auch eine Arbeitsbedingung war, die architektonisch hergestellt werden musste. Das vermeintlich Selbstverständliche seiner Malerei hatte räumliche Voraussetzungen.
Ein Künstlerhaus vermittelt Nähe, doch diese Nähe verdient eine genaue Betrachtung. Räume, Möbel und persönliche Gegenstände können den Eindruck erwecken, der Künstler sei nur kurz hinausgegangen; dabei bestimmen museale Entscheidungen, welchen Ausschnitt seines Lebens wir sehen. Dass Sorollas Museum nun die Umbauten seiner eigenen Räume offenlegt, könnte diesen Eindruck produktiv hinterfragen. Die Ausstellung hat die Chance, das Haus als einen über Generationen veränderten Ort lesbar zu machen und damit auch die Vorstellung eines unvermittelt bewahrten Künstlerlebens zu überprüfen. Ob sie diese Spannung tatsächlich entfaltet, wird sich erst nach der Eröffnung beurteilen lassen.
Für DOKUNST liegt die Bedeutung der Erweiterung deshalb in der Verbindung von Zugang und Kontext. Die Sanierung des historischen Gebäudes soll auch dessen Zugänglichkeit verbessern; die neuen Räume können andere Ausstellungsformen ermöglichen. Beides ist für die Zukunft einer solchen Institution entscheidend. Der Maßstab bleibt jedoch, wie präzise das Museum Sorollas Werk erschließt: seine Bilder, die Bedingungen ihrer Entstehung und die Geschichte ihrer Überlieferung. Ein größeres Museum gewinnt dann an Überzeugungskraft, wenn es auch genauer erkennen lässt, was an diesem Künstlerhaus unersetzlich ist.
Ausstellung: Tras la casa del artista. Arquitecturas del Museo Sorolla (1905–2026)
Laufzeit: 15. Oktober 2026 – 10. Januar 2027
Ort: Erweiterungsbau des Museo Sorolla, Madrid; Eingang an der Calle Zurbano. Das historische Wohnhaus bleibt vorerst geschlossen.
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