Zwei Renoirs gestohlen – und ihre Geschichte macht den Fall besonders brisant

Zwei Gemälde von Pierre-Auguste Renoir sind nach einem spektakulären Einbruch an der Côte d’Azur verschwunden. Doch hinter dem Kunstraub verbirgt sich eine zweite Geschichte: Beide Werke waren bereits nach dem Zweiten Weltkrieg aus Deutschland nach Frankreich zurückgebracht worden.

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9/10/20262 min lesen

Pierre-Auguste Renoir, Portrait de Madame Colonna Romano, um 1913, Öl auf Leinwand, MNR 204. Das Gemälde wurde am 8. September 2026 aus dem Musée Renoir in Cagnes-sur-Mer gestohlen und wird weiterhin gesucht. Bild: Public Domain, via Wikimedia Commons.

Am frühen Morgen des 8. September drangen zwei maskierte Täter in das Musée Renoir in Cagnes-sur-Mer ein, jene ehemalige Villa, in der Pierre-Auguste Renoir seine letzten Lebensjahre verbrachte. Um 5.48 Uhr durchtrennten sie die Umzäunung des Gartens, verschafften sich Zugang zum Gebäude und lösten dabei die Alarmanlage aus. Innerhalb weniger Minuten nahmen sie vier Gemälde an sich. Die Polizei traf bereits rund fünf Minuten später ein; auf der Flucht ließen die Täter Madame Stephen Pichon von 1895 und Coco lisant von 1905 im Garten zurück. Mit zwei anderen Werken konnten sie entkommen: Madame Colonna Romano aus der Zeit um 1913 und Jeune femme au puits von 1886. Beide Bilder, die seit 1995 als Leihgaben des Musée d’Orsay in Cagnes-sur-Mer ausgestellt waren, werden weiterhin gesucht. Der Bürgermeister der Stadt bezifferte den mit dem Raub verbundenen Schaden auf rund neun Millionen Euro.

Brisant wird der Fall jedoch erst durch die Biografien der verschwundenen Bilder. Beide tragen die Kennzeichnung MNR – Musées Nationaux Récupération. Sie gehören damit zu jenem Bestand von Kunstwerken, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland aufgefunden und nach Frankreich zurückgebracht wurden, ohne dass ihre rechtmäßigen Eigentümer abschließend festgestellt werden konnten. Madame Colonna Romano gelangte während der deutschen Besatzung über den französischen Kunsthandel zur Kölner Galerie Abels und später in deutschen Privatbesitz; nach heutigem Forschungsstand gilt dieses Bild allerdings nicht als antisemitisch geraubtes Kulturgut. Weitaus ungeklärter ist die Geschichte von Jeune femme au puits: Das Werk wurde vermutlich durch die deutsche „Organisation Otto“, die während der Besatzungszeit auf dem französischen Kunstmarkt tätig war, erworben oder beschlagnahmt, 1949 in Bayern entdeckt und anschließend nach Frankreich zurückgeführt. Heute wird seine Restitution von Erben der Kunsthändlerin Jadwiga Zak beansprucht. Ein Bild, dessen Eigentumsgeschichte mehr als achtzig Jahre nach Kriegsende noch immer nicht abschließend geklärt ist, ist nun ein zweites Mal verschwunden.

Der Einbruch trifft Frankreich zudem in einer Phase, in der die Sicherheit seiner Museen längst zu einer kulturpolitischen Frage geworden ist. Nach mehreren spektakulären Diebstählen hatte das Kulturministerium erst im Juli einen 33-Punkte-Plan und zusätzliche Mittel für den Schutz der Sammlungen angekündigt. Das Musée Renoir verfügte über ein Alarmsystem, die Polizei reagierte innerhalb weniger Minuten – und dennoch reichten den Tätern etwa drei Minuten im Gebäude, um vier Renoirs von den Wänden zu nehmen. Die Ermittlungen wegen organisierten Diebstahls laufen, die beiden Gemälde bleiben verschwunden. Damit sucht Frankreich heute nicht nur nach zwei Renoirs. Es sucht erneut nach Kunstwerken, die die Geschichte schon einmal verloren hatte und die ihr nach dem Krieg zurückgegeben worden waren.

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